Die Schlacht zwischen Heraklius und Chosroes

Francesca, Piero della

1454 bis 1458

Italien; Arezzo; Basilica di San Francesco

Objekt

Bildrechte
Detailtitel:Die Schlacht zwischen Heraklius und Chosroes (Teil von: Kreuzzyklus)
Alternativtitel Deutsch:Die Enthauptung des Chosroes
Titel in Originalsprache:La Battaglia tra Eraclio e Cosroe; La Battaglia di Eraclio e Cosroe
Titel in Englisch:The Victory of Heraclius over Chosroes
Datierung: 1454 bis 1458
Ursprungsregion:italienischer Raum
Lokalisierung:Italien; Arezzo; Basilica di San Francesco
Lokalisierung (Detail):Hauptchorkapelle; linke Wand; unteres Bildfeld
Medium:Wandbild
Material:Fresko
Bildträger:Wand
Ikonografische Bezeichnung:Schlacht zwischen Heraklius und Chosroes
Ikonografie Anmerkungen:Enthauptung des Königs Chosroes als Nebenszene der Schlacht
Iconclass:11D41171 – Emperor Heraclius defeats Chosroes II of Persia, and recovers a part of the True Cross
Signatur Wortlaut:ohne
Datierung Wortlaut:ohne
Auftraggeber/Stifter:Francesco Bacci (Angehöriger einer Gewürzhändlerfamilie)
Provenienz:in situ

Bildnis 1

Bildrechte
Lokalisierung im Objekt:die sechste stehende Figur von rechts; hinter dem knieenden König; unterhalb des Thrones
Ausführung Körper:Ganzfigur stehend
Ausführung Kopf:im Profil
Ikonografischer Kontext:Figur in Gestalt eines Würdenträgers, der der Hinrichtung beiwohnt
Blick/Mimik:Blick nach rechts zum Henker
Gesten:die rechte Hand vor den Schoß haltend
Körperhaltung:Körper und Kopf nach rechts gewandt
Interaktion/Raum-, Bildraumbeziehung/ Alleinstellungsmerkmal:Die Figur befindet sich auf der hinteren Bildbühne. Sie wird links von den Hinterbeinen eines ausschlagenden Pferdes und von der Figur eines stehenden Soldaten stark überschnitten. Ihre Beine und ihre Fingerspitzen werden von der Figur es knieenden Königs überschnitten. Sie steht direkt unter einem erhöhten Thronsessel. Ihr Gesicht ist nur wenig vom Kopf eines Soldaten links überschnitten und gut erkennbar. Sie ist die einzige Figur der Gruppe ohne Kopfbedeckung und bildet das Zentrum der Figurengruppe links neben dem König.
Kleidung:lange Robe eines Würdenträgers; ohne Kopfbedeckung
Zugeordnete Bildprotagonisten:Figur befindet sich in einer Gruppe von Würdenträgern, die den König Chosroes umgeben und dessen Hinrichtung beiwohnen; diese sind schon von Vasari als Mitglieder der Stifterfamilie Bacci vorgeschlagen

Zur Identifizierung von Mitgliedern der Stifterfamilie Bacci.1

Verweise

  1. „Folglich verdiente er die großzügige Belohnung, die Luigi Bacci ihm für das Werk zukommen ließ – den er zusammen mit Carlo und weiteren seiner Brüder und vielen damals berühmten Aretiner Schriftgelehrten rings um die Enthauptung eines Königs porträtierte [...]“, Vasari u. a. 2012, 52f.↩︎

Forschungsergebnis: Francesca, Piero della

Künstler des Bildnisses:Francesca, Piero della
Status:Einzelmeinung
Status Anmerkungen:Identifizierung wird in der Forschung nicht diskutiert.
Andere Identifikationsvorschläge:ein Mitglied der Bacci-Familie; Francesco Bacci; Giovanni Bacci; Jacopo Anastagi
Typ Autor/in Jahr Referenz Seite Anmerkungen
Erstzuschreibung Roeck 2007 Roeck 2007 – Mörder, Maler und Mäzene 89 -
Skeptisch/verneinend Fornasari 2008 Fornasari 2008 – Il racconto della Historia Salutis 148 -
Skeptisch/verneinend Angelini 2014 Angelini 2014 – Piero della Francesca 212 -
Skeptisch/verneinend Banker 2014 Banker 2014 – Piero Della Francesca 139 -

Die Figur wurde verschieden indentifiziert: Als ein Mitglied der Bacci-Familie vorgeschlagen von del Vita;1 als Francesco Bacci vorgeschlagen von Salmi und Angelini2; als Giovanni Bacci vorgeschlagen von Paolucci und Fornasari;3 als Jacopo Anastagi vorgeschlagen von Banker.4

2007 konstatiert Roeck die Ähnlichkeit von drei Figuren im Werk Pieros und identifiziert sie als Selbstbildnisse.5 Es handelt sich um einen älteren Mann mit kurz geschorenem Haar, der uns auf der Misericordia-Tafel, in der Geißelung in Urbino und bei der Enthauptung des Königs Chosroes begegnet: „Es spräche jedenfalls nichts dagegen, auch in dem dunkel gekleideten Herrn, der Chosroes‘ Enthauptung auf dem Aretiner Fresko beiwohnt, den Maler selbst zu identifizieren.“6

2008 sieht Fronasari wie schon Vasari in den Personen um König Chosroes Mitglieder der Familie Bacci. Unter ihnen steche besonders die Profilfigur hervor, in der die Autorin Giovanni Bacci vermutet: „Nei giustizieri che stanno intorno a Cosroe, in attesa di essere decapitato, Piero ha ritratto i membri della famiglia Bacci, tra i quali spicca la figura di Giovanni, rappresentato anche in questo caso di profilo.“7

2014 übernimmt Angelini eine frühere Zuweisung Salmis8 und sieht in der barhäuptigen Figur bei der Enthauptung König Chosroes Francesco Bacci: „Lì accanto, a capo scoperto, compare il profilo di Francesco Bacci, uomo ormai maturo, brizzolato, accanto ai ben più giovani nipoti Andrea e Agnolo […].“9

2014 erkennt Banker ebenfalls ein Porträt in der Gestalt des älteren Mannes mit kurz geschorenem Haar, der fünfmal im Werk Pieros auftritt. Er identifiziert ihn mit Jacopo Anastagi: „I would argue that the figure Piero represented five times is this same Jacopo Anastagi.“10

Verweise

  1. Del Vita 1920, 111f.↩︎

  2. Angelini 2014, 212; Salmi 1979, 93.↩︎

  3. Fornasari 2008, 148; Paolucci 1989, 168.↩︎

  4. Banker 2014, 139.↩︎

  5. Roeck 2007, 89–91.↩︎

  6. Ebd., 91.↩︎

  7. Fornasari 2008, 148.↩︎

  8. Salmi und andere identifizieren die Figur mit Mitgliedern der Familie Bacci. Vgl. das Feld „andere Identifikationsvorschläge für das mögliche Selbstbildnis“.↩︎

  9. Angelini 2014, 212.↩︎

  10. Banker 2014, 139.↩︎

Bildnis 2

Bildrechte
Lokalisierung im Objekt:am linken Bildrand unten in der Ecke
Ausführung Körper:Kopfbild
Ausführung Kopf:Dreiviertelporträt
Ikonografischer Kontext:Figur in Gestalt eines toten Soldaten der Schlacht
Blick/Mimik:halb geschlossene Augen
Gesten:Hände nicht sichtbar
Körperhaltung:liegend
Interaktion/Raum-, Bildraumbeziehung/ Alleinstellungsmerkmal:Der Kopf liegt unterhalb eines angewinkelten Beines eines gefallenen Soldaten und ist dadurch vom Bildgeschehen isoliert. Der Kopf ist offenbar vom Körper abgetrennt. Es ist die einzige Darstellung eines Toten auf dem Gemälde.
Zugeordnete Bildprotagonisten:gehört zu den Soldaten der Schlacht

Forschungsergebnis: Francesca, Piero della

Künstler des Bildnisses:Francesca, Piero della
Status:Einzelmeinung
Typ Autor/in Jahr Referenz Seite Anmerkungen
Erstzuschreibung Trenti 1992 Trenti 1992 – Indiscrezioni su Piero 27 -

Trenti vermutet im Kopfes eines gefallenen Soldaten der Herakliusschlacht ein Selbstporträt Pieros, ohne dies näher zu begründen.1

Verweise

  1. Trenti 1992, 27.↩︎

Vom jungen Mann mit Locken zum alten Herrn mit Glatze – die Grenzen der Ähnlichkeit

Auf einem Bildfeld in der Bacci-Kapelle in Arezzo, welches die Schlacht zwischen Herakius und Chorsoes darstellt, finden sich zwei gänzlich unterschiedliche Bildnisse, die als Selbstporträts Piero della Francescas identifiziert wurden. Das eine stellt einen jungen gefallen Soldaten mit schwarz gelocktem Haar dar, das andere einen gesetzten Herrn mit Stirnglatze und kurzgeschorenem Haar. Beide Autoren argumentieren im Zuge ihrer Identifikationen mit Ähnlichkeiten und kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Das Argument für Roecks Zuweisung besteht in der proklamierten Identität von drei Figuren auf drei Werken mit völlig unterschiedlichem Kontext, deren einziges verbindendes Argument die Identität des Urhebers der Werke ist. Er bezweifelt die Authentizität der traditionell als Selbstporträts ausgewiesen Bildnisse. Für seine Identifikation des mutmaßlichen Selbstbildnisses in der Schlacht zwischen Heraklius und Chosroes führt er abgesehen von der auf Ähnlichkeit basierenden Argumentation nur wenige Indizien an. Dass die Person als einzige der Szene barhäuptig dargestellt ist, soll den Rangunterschied zu den Mitgliedern der Familie Bacci verdeutlichen, deren Bildnisse nach Vasari zusammen mit Gelehrten der Stadt in dieser Szene verewigt sein sollen. Sich in diesem Zusammenhang als Künstler darzustellen, um die Autorschaft zu belegen und den sozialen Status zu zeigen oder die eigene Gelehrsamkeit zu unterstreichen, würde für eine Zuweisung als Selbstbildnis sprechen. Die Autorität des Vasari-Textes ließ aber die ForscherInnen in der Figur des Mannes im Profil meist einen Bacci vermuten (Francesco bzw. Giovanni), eine Auffassung, gegen die sich auch Roecks These nicht durchsetzen konnte.

Der Mediziner Trenti zeigt in seiner vergleichenden Analyse Interesse für die Schwellung am Hals der Selbstporträts. Eine solche Selbstdarstellung glaubt er im Kopf des gefallenen Soldaten zu erkennen, der sich in der unteren linken Bildecke befindet. Abgesehen von einer nicht ganz von der Hand zuweisenden Ähnlichkeit, liefert er keine weiteren Argumente. Es scheint allerdings mehr als fragwürdig, dass sich ein Künstler der Renaissance als Toter einer Schlacht darstellen würde – entsprechende Ikonografien zeigen sich erst im Zusammenhang mit Selbstdarstellungen des 16. Jahrhunderts (etwa bei Caravaggio).1 Diese Zuweisung wurde auch nicht weiter übernommen und kann als Einzelmeinung Trentis abgetan werden. Wie sich am vorliegenden Beispiel gut aufzeigen lässt, lässt sich die Problematik der wiederkehrenden Porträts bei Piero della Francesca nicht lösen und führt – je nach Vorlieben der ForscherInnen – zu unterschiedlichen Zuweisungen. Im konkreten Fall bedeutet dies die Identifikation von zwei Selbstporträts in Figuren des ein und desselben Gemäldes, die einander unähnlicher nicht sein könnten.

Verweise

  1. Wenn man den Kopf als abgetrenntes Haupt interpretiert, würden sich Parallelen zu einem Selbstbildnis Caravaggios ergeben, in dem er sich in der Rolle des enthaupteten Goliaths porträtiert: Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, um 1600, Wien, Kunsthistorisches Museum. Der unterschiedliche historische Kontext macht einen direkten Bezug wohl unwahrscheinlich.↩︎

Literatur

Angelini, Alessandro: Piero della Francesca, Mailand 2014.
Banker, James R.: Piero Della Francesca. Artist and man, Oxford 2014.
Del Vita, Alessandro: Il volto di Pier della Francesca, in: Rassegna d'arte antica e moderna, 20. Jg. 1920, 109–112.
Fornasari, Liletta: Il racconto della Historia Salutis del popolo cristiano. La Leggenda della Vera Croce nella cappella maggiore in San Francesco di Arezzo, in: Fornasari, Liletta/Gentilini, Giancarlo/Giannotti, Alessandra (Hg.): Arte in terra d'Arezzo. Il Quattrocento, Florenz 2008, 131–150.
Paolucci, Antonio: Le Opere, in: Paolucci, Antonio/Moriondo Lenzini, Margherita (Hg.): Piero della Francesca. Notizie sulla conservazione di Margherita Moriondo Lenzini, Florenz 1989, 105–266.
Roeck, Bernd: Mörder, Maler und Mäzene. Piero della Francescas „Geißelung“. Eine kunsthistorische Kriminalgeschichte, München (3. Aufl.) 2007.
Salmi, Mario: La pittura di Piero della Francesca, Novara 1979.
Trenti, Andrea: Indiscrezioni su Piero, Rom 1992.
Vasari, Giorgio/Lorini, Victoria/Gründler, Hana/Wenderholm, Iris: Das Leben des Malers Piero della Francesca aus Borgo San Sepolcro. Vita di Piero della Francesca. Pittore del Borgo a San Sepolcro (1568), in: Gründler, Hana/Wenderholm, Iris (Hg.): Das Leben des Paolo Uccello, Piero della Francesca, Antonello da Messina und Luca Signorelli. Neu übersetzt und kommentiert, Berlin 2012, 43–57; 127–143.

Zitiervorschlag: