Anbetung der Könige (Tondo)

Ghirlandaio, Domenico

1487

Italien; Florenz; Gallerie degli Uffizi

Objekt

Bildrechte
Alternativtitel Deutsch:Anbetung der Hl. Drei Könige; Anbetung des Kindes
Titel in Originalsprache:Adorazione dei Magi
Titel in Englisch:Adoration of the Kings
Datierung: 1487
Ursprungsregion:italienischer Raum
Lokalisierung:Italien; Florenz; Gallerie degli Uffizi
Lokalisierung (Detail):Gemäldesammlung, Saal 25; Inventarnummer: 1890 / 1619
Medium:Tondo
Material:Tempera
Bildträger:Holz
Maße: Höhe: 172 cm; Breite: 172 cm
Maße Anmerkungen:Angabe des Durchmessers
Ikonografische Bezeichnung:Geburt Christi; Drei Könige (Anbetung und Zyklus der Magier); Verkündigung an die Hirten
Iconclass:73B57 – adoration of the kings: the Wise Men present their gifts to the Christ-child (gold, frankincense and myrrh)
Signatur Wortlaut:ohne
Datierung Wortlaut:1487
Signatur/Datierung Position:datiert: auf einem Steinblock zentral im Bildvordergrund
Auftraggeber/Stifter:Giovanni Tornabuoni (?)
Provenienz:die Angaben zur Provenienz variieren; vermutliche ursprüngliche Bestimmung: Andachtsbild im Palazzo Tornabuoni in Florenz (?); seit 1780–83 im Bestand der Uffizien
Zugänglichkeit zum Entstehungszeitpunkt:unbekannt

Zum Auftraggeber1 und zur Provenienz.2

Verweise

  1. Vgl. u. a. Cadogan 2000, 256–258; Kecks 2000, 341.↩︎

  2. Zu Provenienz vgl. u. a. Cadogan 2000, 256–258; Kecks 2000, 341.↩︎

Bildnis 1

Bildrechte
Lokalisierung im Objekt:Figur auf der horizontalen zentralen Bildachse zur Linken der Madonna
Ausführung Körper:Halbfigur kniend
Ausführung Kopf:Dreiviertelporträt
Ikonografischer Kontext:Figur im Zug der Könige in der Geburt Christi
Blick/Mimik:kommunizierender Blick Richtung rechts oben
Gesten:hinweisende Geste
Körperhaltung:kniend, leicht nach vorne gebeugt; Schulterblick; Kopfdrehung Richtung rechte Bildseite
Interaktion/Raum-, Bildraumbeziehung/ Alleinstellungsmerkmal:gemeinsam mit einer weiteren knienden Figur zwischen Hauptszene im Vordergrund und dem Zug der Könige, der großteils aus stehenden Figuren aufgebaut ist; durch einen Freiraum von der Vordergrundszene getrennt (vgl. Lichtregie des Bodens); die Figur weist mit dem Finger auf die neben ihr kniende Figur und blickt gleichzeitig Richtung Stehfigur dahinter, die den Zeigegestus aufnimmt und ihrerseits nach links zeigt
Kleidung:große Nähe zu den zwei Stifterfiguren, die hinter dem ältesten König knien; keine Zierelemente, die auf einen kostümierten Teilnehmer des Zugs der Könige weisen
Zugeordnete Bildprotagonisten:zwei kniende Figuren rechts der Figur; die direkt anschließend stehenden Figuren schräg dahinter; evtl. vierte Figur der Soldaten in der nächsten Ebene dahinter, direkt aus dem Bild blickend; keine der Figuren ist identifiziert

Forschungsergebnis: Ghirlandaio, Domenico

Künstler des Bildnisses:Ghirlandaio, Domenico
Status:Einzelmeinung
Status Anmerkungen:Erstmals thematisiert von Elisabeth Krabichler im Rahmen des FWF-Projekts Metapictor.
Typ Autor/in Jahr Referenz Seite Anmerkungen
Erstzuschreibung Krabichler 2021 - - -

Trotz fehlender Identifizierung und zahlreicher relativierender Aspekte (u. a. mangelnde Qualität der Ausführung, Werkstattbeteiligung) soll die hier angegebene Figur im Zusammenhang von Ghirlandaios erprobten Darstellungsmechanismen (etwa das System der BetrachterInnenansprache mittels kombinierter Abfolgen von Blicken und Gesten) und unter Hinweis auf eventuelle Übereinstimmungen mit Selbstporträts aus dem Oeuvre als hypothetische Selbstinszenierung diskutiert werden (s. u.).

Kreisförmige Anspielungen

Die als Tondo ausgeführte Anbetung der Könige wurde von der Forschung einhellig als ein zum großen Teil von Mitarbeitern nach dem Entwurf Domenico Ghirlandaios ausgeführtes Gemälde eingestuft.1 Weiterreichende Bildanalysen wurden – abgesehen von frühen Beschreibungen2 bzw. Vergleichen/Abgrenzungen zu Botticellis Del-Lama Anbetung3 – kaum angestellt.4 Nach Vasari befand sich ein sorgfältig ausgeführtes Rundbild desselben Themas im Haus von Giovanni Tornabuoni.5 Aufgrund mangelnder Dokumente und widersprüchlicher Provenienzangaben kann Tornabuoni, der im selben Zeitraum die malerische Gestaltung seiner Familienkapelle in Santa Maria Novella von Domenico Ghirlandaio samt Werkstatt ausführen ließ, allerdings nur mit Vorbehalt als möglicher Stifter des vorliegenden Gemäldes angegeben werden.6 Während Küppers das Werk als reines Historienbild ohne Porträts sieht,7 räumt etwa Kecks ein, in manchen Figuren zeitgenössische Aktualisierungen zu erkennen. Er interpretiert die beiden kommunizierenden Figuren links außen als Assistenzporträts, die beiden rechts hinter dem ältesten König knienden Porträts als mögliche Stifterfiguren; die als theoretisches Selbstbildnis vorgestellte Figur sieht er dem Zug der Könige anteilig. Darüber hinaus verweist Kecks auf Anleihen Ghirlandaios aus seinen früheren Bildschöpfungen (Christuskind, Rückenfigur des ältesten Königs)8 – dies ist ein Denkansatz, der sich auch auf das mutmaßliche Künstlerporträt ausdehnen lässt.

Physiognomische Ähnlichkeiten lassen sich insbesondere im Vergleich mit dem möglichen Selbstbildnis in der Heimsuchung in der Tornabuoni-Kapelle erkennen. Haltung und Kommunikationspotenzial der Figur können auf das ebenfalls mutmaßliche Selbstporträt in der Anbetung der Hirten in der Sassetti-Kapelle verweisen, und der Schulterblick gehört zu jenen Darstellungsmechanismen des Malers, die in Variationen in nahezu allen Selbstdarstellungen angewandt wurden. Über den sprechenden Zeigefinger steht die potenzielle Selbstporträtfigur entweder in Verbindung mit dem unmittelbar daneben knienden, gelb gewandeten Prozessionsteilnehmer oder mit der stehenden Figur mit Turban schräg dahinter, auf die sich vermutlich auch der Blick richtet. Beide Deutungen wären plausibel, vor allem im Hinblick auf Ghirlandaios Vorliebe für bildimmanente Dialogsysteme, die über Blicke bzw. Gesten mehrerer Bildfiguren verdeutlicht werden. Ein Vergleich mit dem in der Vertreibung des Joachims in der Kapelle des möglichen Stifters Tornabuoni entstandenen und weitgehend anerkannten Künstlergruppenbild samt Selbstporträt lässt ein verschleiertes Werkstatt- oder Freundschaftsbild möglich erscheinen, insbesondere unter weiterer Berücksichtigung der aus dem Bild blickenden Figur des deutlich jüngeren Mannes in der Figurenebene dahinter. Figurentypus, Altersdifferenzierung, Ausführung verschiedener Porträtformen als auch die Position am rechten Bildrand sind weitere erwägenswerte Indizien.

Eine aus der Interpretation von Cavalcaselle und Crowe zur Blick-Gesten-Kombination als ein „in den Himmel schauen und zeigen“ abgeleitete Hypothese9 bringt das Bildnis in die Nähe von Assistenzporträts, die in deutlicher Differenzierung vom Geschehen aufgeführt sind oder auch von Stifterbildern, die das Empfangen einer sakralen Vision verdeutlichen. Letzteres ist zumeist über eine verinnerlichte Miene gezeigt. Diese These erhebt den Mann/Maler zum Empfänger einer Erscheinung und weiterführend in die Position eines visionären Schöpfers.

Verweise

  1. Zu Forschungsstand, stilistischer Einordnung und Beurteilung vgl. u. a. Cadogan 2000, 256–258; Kecks 2000, 341f.↩︎

  2. Vgl. u. a. Cavalcaselle/Crowe 1896, 407–412.↩︎

  3. Vgl. u. a. Cadogan 2000, 258; Kecks 2000, 342.↩︎

  4. Vgl. u. a. Cavalcaselle/Crowe 1896, 407–412.↩︎

  5. Vasari (hg. von Schorn/Förster 2010), 253.↩︎

  6. Zur Provenienz vgl. u. a. Cadogan 2000, 256–258; Kecks 2000, 341.↩︎

  7. Kueppers 1916, 32.↩︎

  8. Kecks 2000, 342.↩︎

  9. Cavalcaselle/Crowe 1896, 408.↩︎

Literatur

Cadogan, Jean K.: Domenico Ghirlandaio. Artist and Artisan, New Haven 2000.
Cavalcaselle, Giovanni Battista/Crowe, Joseph Archer: Storia della pittura in Italia. Dal secolo II al secolo XVI. 7. Pittori Fiorentini del secolo XV e del principo del seguente, Florenz 1896.
Kecks, Ronald G.: Domenico Ghirlandaio und die Malerei der Florentiner Renaissance (Italienische Forschungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz, 4. F., 2), München 2000.
Kueppers, Paul Erich: Die Tafelbilder des Domenico Ghirlandajo (Zur Kunstgeschichte des Auslandes, 111), Strassburg 1916.
Vasari, Giorgio: Leben der berühmtesten Maler, Bildhauer und Baumeister. Von Cimabue bis zum Jahre 1567, hg. von Ludwig Schorn/Ernst Förster, Wiesbaden 2010.

Zitiervorschlag: