Tommaso Portinari mit Söhnen und Heiligen (Portinari-Altar)
Goes, Hugo van der
Italien; Florenz; Gallerie degli Uffizi
Inhaltsverzeichnis
Objekt
Bildrechte
| Detailtitel: | Tommaso Portinari mit Söhnen und Heiligen (linker Seitenflügel von: Portinari-Altar) |
| Alternativtitel Deutsch: | Stifterporträt mit Apostel Thomas und Antonius d. Gr.; Tommaso Portinari mit Söhnen und den hll. Thomas und Antonius d. Gr. |
| Titel in Originalsprache: | Portret van de schenker met de heiligen Thomas en Antonius de Grote; Tommaso Portinari met zonen en heiligen; linker zijvleugel Portinari altaar |
| Titel in Englisch: | Portrait of the donor with the Saints Thomas and Anthony; Tommaso Portinari with sons and saints; left side wing Portinari altar |
| Datierung: | 1474 bis 1476/77 |
| Ursprungsregion: | altniederländischer Raum |
| Lokalisierung: | Italien; Florenz; Gallerie degli Uffizi |
| Lokalisierung (Detail): | Inventarnummer: 1890 /3191, 3192, 3193; Gesamt-Triptychon bestehend aus: Stiftertafel, Seite der Männer (linker Flügel); Anbetung der Könige (Mitteltafel); Stiftertafel, Seite der Frauen (rechter Flügel) |
| Medium: | Altarflügel; Tafelbild |
| Material: | Öl |
| Bildträger: | Holz |
| Maße: | Höhe: 249 cm; Breite: 137 cm |
| Maße Anmerkungen: | gesamtes Triptychon geöffnet inkl. Rahmen: 274 x 652 cm; Mitteltafel: 249 x 300 cm; Flügel: je 249 x 137 cm |
| Ikonografische Bezeichnung: | Stifter, hl. Thomas, hl. Antonius der Große |
| Iconclass: | 11H(THOMAS)0(+5) – the apostle Thomas; possible attributes: book, chalice, girdle, heart, lance or spear, scroll, square, stones - male saint represented in a group (+ donor(s), supplicant(s), whether or not with patron saint(s)) 11H(ANTONY ABBOT)0 –the hermit Antony Abbot (Antonius Abbas) of Egypt, also called the Great; possible attributes: bell, book, T-shaped staff, flames, pig - male saint represented in a group |
| Signatur Wortlaut: | ohne |
| Datierung Wortlaut: | ohne |
| Auftraggeber/Stifter: | Tommaso Folco d’Adoardo Portinari (Leiter der Medici-Filiale in Brügge) mit Maria Baroncelli (Gattin) |
| Provenienz: | bestimmt für die Familienkapelle der Familie Portinari (Kapelle Unsere Liebe Frau) in der Kirche St. Jakob in Brügge; 1483 Aufstellung in der Hospitalskirche San Egidio, Santa Maria Nuova, Florenz; seit 1899 in den Gallerie degli Uffizi, Florenz |
| Zugänglichkeit zum Entstehungszeitpunkt: | privat |
Bildnis 1
Bildrechte
| Lokalisierung im Objekt: | zweite große Figur von links |
| Ausführung Körper: | Ganzfigur stehend |
| Ausführung Kopf: | Dreiviertelporträt |
| Ikonografischer Kontext: | hl. Thomas als Schutzheiliger des Stifters |
| Blick/Mimik: | verinnerlichter Blick nach rechts |
| Gesten: | rechte Hand am Stab; linke weist mit offener Handfläche auf den Stifter/auf die Mitteltafel |
| Körperhaltung: | aufrecht |
| Interaktion/Raum-, Bildraumbeziehung/ Alleinstellungsmerkmal: | monumentale Heiligenfigur; auffällig farbige Kleidung (restliche Figuren großteils in dunklen Gewändern; Figur gut sichtbar, nur im Bereich des linken Beins vom Stifter überschnitten; kompositorische Verbindung mit dem Stifter: körperliche Nähe, linke, auffällig beleuchtete Hand des Heiligen scheint auf dem Kopf des Stifters aufzuliegen, teils wird sie von diesem überschnitten, rechter Fuß des Heiligen steht mit dem vorderen Teil auf dem Mantel des Stifters; hl. Thomas (samt Speer) füllt den Flügel in der vertikalen Ausrichtung fast zur Gänze |
| Attribute: | Speer |
| Kleidung: | farblich auffällige Kleidung: rotes Untergewand, grüne Tunika, rotes Tuch locker über die Schultern gelegt |
| Zugeordnete Bildprotagonisten: | Paarbildung mit dem hl. Antonius dem Großen; zwei parallelisierte weibliche Heilige am rechten Flügel, hl. Margareta und Maria Magdalena als Schutzheilige der Stifterin; als Schutzheiliger dem Stifter zugeordnet, der sich auf dem Flügel mit seinen Söhnen Antonio und Pigello abbilden ließ |
Forschungsergebnis: Goes, Hugo van der
| Künstler des Bildnisses: | Goes, Hugo van der |
| Status: | kontrovers diskutiert |
| Status Anmerkungen: | Nach der Erstthematisierung durch Sander (1912) und der Ablehnung durch Destrée (1914) folgten keine weiteren relevanten Stellungnahmen zum hier vorgeschlagenen Selbstporträt. Diesem Umstand und der durchaus nachvollziehbaren Argumentation von Destrée ist es geschuldet, dass der vorliegende Katalogeintrag äußerst kurz gehalten ist. Er beschränkt sich auf die frühe Forschung und ein Statement dazu. |
| Typ | Autor/in | Jahr | Referenz | Seite | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Erstzuschreibung | Sander | 1912 | Sander 1912 – Beiträge zur Biographie Hugo van | 534, 545 (Anm. 82) | - |
| Skeptisch/verneinend | Destrée | 1914 | Destrée 1914 – Hugo van der Goes | 230f | - |
1912 beruft sich Sander auf die Tradition der bildlichen Signaturen mittels Selbstdarstellungen und schreibt auch zwei Figuren von Hugo van der Goes, dem linken Propheten in der Anbetung der Hirten und dem rechten Heiligen am linken Seitenflügel des Portinari-Altars, eine derartige Funktion zu. Es handelt sich jeweils um porträthaft ausgeführte Männer von ca. 50 Jahren, deren physiognomische Merkmale sich nach Sander „in allen Einzelheiten“ entsprechen. Da es sich folglich um dieselbe Person handeln müsse – Hugo van der Goes sich allerdings bei der Herstellung der Hirtenanbetung bereits im Kloster befand und kaum ein Modell hinzugezogen haben dürfte – behauptet der Autor, „daß es sich um zwei Selbstporträts Hugo van der Goes“ handeln könnte. Das Alter und der melancholische Ausdruck der Figur würden diese These stützen. Die Rolle als Schutzheiliger, dessen Geste das Kunstwerk betont, und jene des Propheten, der das Gemälde enthüllt, würden auf das erhabene Herz des Malers hinweisen.1 Obwohl eine derart prominente Selbstdarstellung unüblich sei, relativiert der Autor seine Überlegungen, sei es dennoch denkbar, „daß der Künstler von Eitelkeit und Ehrgeiz getrieben, Tommaso Portinari um die Erlaubnis bat, auf diesem seinem stolzen und bedeutendsten, fast möchte man sagen, virtuosesten Meisterwerk sein eigenes Porträt anbringen zu dürfen, und daß der rücksichtsvolle Stifter die Bitte nicht ausschlug“.2
1914 bezweifelt Destrée die Wahrscheinlichkeit von Sanders‘ These mit den Worten: „Cette conjecture nous parait manquer aux lois de la vraisemblance“. Weder hätte seiner Ansicht nach der Stifter der Darstellung zugestimmt, noch hätte van der Goes intendiert, sich derart in den Vordergrund zu stellen. Letzteres entspreche auch nicht der üblichen Darstellungskonvention, was Destrée über Vergleiche mit niederländischen Selbstdarstellungen verdeutlicht.3
Verweise
Sander 1912, 534.↩︎
Ebd., 545 (Anm. 82).↩︎
Hierzu zählt Destrée bescheiden im Hintergrund oder am Rand der Szene eingefügte Selbstdarstellungen auf, beispielhaft nennt er jene von Dieric Bouts im Letzten Abendmahl, den Gebrüdern Eyck im Genter Altar oder Gerard David im Gemälde Virgo inter Virgines (vgl. hierzu weiterführend den Einleitungstext zu Gerard David). Vgl. Destrée 1914, 230f.↩︎
Eine Nummer zu groß
Sanders Argument der Ähnlichkeit zum linken Propheten in der Anbetung der Hirten ist zuzustimmen – allerdings ist diese physiognomische Übereinstimmung kein überzeugendes Argument für eine Selbstdarstellung. Nach Analysen der Selbstdarstellungstendenzen von niederländischen Malern im Allgemeinen und denen von van der Goes im Besonderen ist es kaum vorstellbar, dass es sich beim monumental und auffallend inszenierten hl. Thomas tatsächlich um ein Selbstporträt handeln könnte. Die außergewöhnliche Größe der Heiligen im Vergleich mit der Stifterfigur wird eindrucksvoll über Kruses Beschreibung deutlich: Thomas und Antonius scheinen „Vertreter eines Riesengeschlechts“ mit „übermenschlicher Würde“ zu sein, die in ihrer „statuarischen Fülle […] wie „Renaissance-Heroen“ erscheinen.1
Verweise
Kruse 1994, 233.↩︎
Literatur
Zitiervorschlag:
Krabichler, Elisabeth: Tommaso Portinari mit Söhnen und Heiligen (Katalogeintrag), in: Metapictor, http://explore-research.uibk.ac.at/arts/metapictor/katalogeintrag/goes-hugo-van-der-tommaso-portinari-mit-sohnen-und-heiligen-portinari-altar-1474-bis-1476-77-florenz-gallerie-degli-uffizi/ (06.02.2026).