Inhaltsverzeichnis
Objekt
| Detailtitel: | Beschneidung Christi (Flügel eines unbekannten Altars; Pendant zum Flügel mit der Anbetung der Könige (1459)) |
| Titel in Originalsprache: | Beschneidung Christi |
| Titel in Englisch: | Circumcision of Christ |
| Datierung: | 1459 |
| Ursprungsregion: | deutschsprachiger Raum |
| Lokalisierung: | Deutschland; München; Bayerisches Nationalmuseum |
| Lokalisierung (Detail): | Inventarnummer: MA 3330 |
| Medium: | Altarflügel; Tafelbild |
| Bildträger: | Holz |
| Maße: | Höhe: 67,1 cm; Breite: 55,5 cm |
| Ikonografische Bezeichnung: | Beschneidung Christi |
| Iconclass: | 73B3 – circumcision of the Christ-child by the priest in the temple (Luke 2:21) |
| Signatur Wortlaut: | ohne |
| Datierung Wortlaut: | ohne |
| Auftraggeber/Stifter: | unbekannt |
| Provenienz: | 1805 Auffindung beider Altarflügel durch Johannes Müller (Maler, Heimatforscher, städtischer Mitarbeiter) im Kreuzgang der St. Salvatorkirche; nach Höchstätt transportiert; der linke Flügel, zersägt in zwei Teile, befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum München: Muttergottes mit Kind, Beschneidung, Teil einer Verkündigungsszene; (der rechte Flügel wurde 1874 von der Stadt Nördlingen aus dem Nachlass von Dr. Martin Böhm (ansässiger Gerichtsarzt) erworben und wird aufgespaltet in drei Teile im Stadtmuseum Nördlingen präsentiert: Anbetung der Könige, Hl. Ottilie, Teil einer Verkündigungsszene) |
| Zugänglichkeit zum Entstehungszeitpunkt: | unbekannt |
Bildnis 1
| Lokalisierung im Objekt: | erste Figur am linken Bildrand |
| Ausführung Körper: | Ganzfigur stehend |
| Ausführung Kopf: | Dreiviertelporträt |
| Ikonografischer Kontext: | Assistenzfigur in der Szene der Beschneidung Christi |
| Blick/Mimik: | verinnerlichter Blick nach rechts |
| Gesten: | rechte Hand hält den Hut, linke ist nicht sichtbar |
| Körperhaltung: | aufrecht; Körperachse Richtung rechts hinten gedreht |
| Interaktion/Raum-, Bildraumbeziehung/ Alleinstellungsmerkmal: | Verankerung am äußerst linken Bildrand, von diesem und dem vorgelagerten Priester überschnitten; mit der ebenfalls zeitgenössisch gekleideten Frauenfigur im gegenüberliegenden Bildrand in Zusammenhang stehend; deutlich von der sakralen Handlung differenziert |
| Zugeordnete Bildprotagonisten: | Frauenfigur auf der gegenüberliegenden Bildkante, vorgeschlagen als Margarethe Herlin (Gattin des Künstlers) von Schaller |
Forschungsergebnis: Herlin, Friedrich
| Künstler des Bildnisses: | Herlin, Friedrich |
| Status: | Einzelmeinung |
| Andere Identifikationsvorschläge: | Stifter |
| Typ | Autor/in | Jahr | Referenz | Seite | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Erstzuschreibung | Schaller | 2021 | Schaller 12/2021 – Hans Fries | 44–47 | - |
Schaller (in Vorbereitung) stellt im Zusammenhang ihrer Forschungen zu multiplen Selbstdarstellungen nordischer Maler in Altarbildern ein dreifaches Selbstporträt Friedrich Herlins in zwei zusammengehörenden Flügeln fest – eines davon in Kombination mit Herlins Gattin Margarethe. Herlin habe sich nach dem Vorbild von Mehrfachporträts u. a. von Bartholomäus Zeitblom im Hochaltar von Blaubeuren1 und Stefan Lochner im Altar der Stadtpatrone2 in der Anbetung der Könige sowohl in der Gestalt des mittleren Königs Caspar als auch des ältesten Königs Balthasar dargestellt. Den beiden Selbstbildnissen in der Anbetung der Könige sei zudem eine weitere Selbstdarstellung in mittlerem Alter in der Beschneidung Christi des korrespondierenden Altarflügels zuzuordnen, die physiognomisch vergleichbar ist. Diesem möglichen Selbstbildnis sei ein Porträt der Gattin hinzugefügt, was ebenfalls einer Darstellungskonvention entspreche. Herlin habe Neuerungen seiner Vorgänger übernommen, resümiert die Autorin, darunter die Formulierung von bis zu drei Selbstdarstellungen in verschiedenen Lebensaltern in einem einzigen Retabel sowie die Darstellung seiner selbst gemeinsam mit der Ehefrau.3
Verweise
Vgl. den Einleitungstext zu Bartholomäus Zeitblom.↩︎
Vgl. den Einleitungstext zu Stefan Lochner.↩︎
Schaller 2021, 44–47.↩︎
Selbstinszenierung als Auftakt einer glänzenden Karriere? II
Mit Krüger ist anzunehmen, dass es sich bei den beiden Figuren an den seitlichen Bildrändern um Stifterporträts handelt – zumindest um zeitgenössische Porträts, die die Handlung bezeugen.1 Folgt man Schallers Ausführungen, so lässt sich zwar eine gewisse Ähnlichkeit der männlichen Figur mit dem nahezu 30 Jahre später entstandenen verifizierten Stifterporträt des Malers feststellen,2 gleichzeitig sprechen ihre Ausführung zur Frau am rechten Bildrand gegen die Verifizierung des Bildnisses als ein Selbstporträt von Friedrich Herlin. Die Autorin will Ähnlichkeiten dieser Frauenfigur mit der Darstellung von Margarethe Herlin im Familienaltar erkennen, dabei fokussiert sie u. a. auf die lange Nase und hervorstehende Wangen.3 Die Länge der Nase erscheint als wenig überzeugendes Argument, entspricht diese doch einem vom Maler prinzipiell favorisierten Gesichtstyp. Vielmehr lassen sich gerade bei der Nase (Form der Spitze, teils vorhandene Verdickung im Mittelbereich), aber auch beim Mund (besonders die Form der Unterlippe) deutliche Abweichungen zwischen den beiden Frauenbildnissen festmachen – diese zeigen sich als prinzipielle physiognomische Unterschiede, die nicht über altersbedingte Differenzen erklärbar sind. Folglich ist auszuschließen, dass es sich bei der Frau um Margarethe Herlin handelt, so ist im Umkehrschluss auch die Selbstporträtthese für den Mann abzulehnen.
Verweise
Krüger 2004, 25.↩︎
Vgl. den Einführungstext zu Friedrich Herlin.↩︎
Schaller 2021, 47.↩︎
Literatur
Zitiervorschlag:
Krabichler, Elisabeth: Beschneidung Christi (Katalogeintrag), in: Metapictor, http://explore-research.uibk.ac.at/arts/metapictor/katalogeintrag/herlin-friedrich-beschneidung-christi-flugel-eines-unbekannten-altars-1459-munchen-bayerisches-nationalmuseum/ (03.04.2026).