Pala Barbadori

Lippi, Fra Filippo

1437 bis 1439

Frankreich; Paris; Musée du Louvre

Objekt

Bildrechte
Detailtitel:Pala Barbadori (Teil von: Haupttafel eines Altars mit drei Predellentafeln (Der hl. Frigidian lenkt den Lauf des Serchio ab, Der hl. Augustinus im Studierzimmer, Verkündigung des Todes Mariens), die in den Uffizien aufbewahrt werden)
Alternativtitel Deutsch:Barbadori-Altar; Barbadori-Retabel; Madonna und Kind mit Engeln und den Heiligen Frigidian von Lucca und Augustinus; Maria mit dem Kinde, von Engeln umgeben, mit den Heiligen Fredianus und Augustinus
Titel in Originalsprache:La Vergine col Bambino, Angeli e santi
Titel in Englisch:Barbadori Altarpiece
Datierung: 1437 bis 1439
Ursprungsregion:italienischer Raum
Lokalisierung:Frankreich; Paris; Musée du Louvre
Lokalisierung (Detail):Département des Peintures; INV 339, MR 327
Medium:Altarbild
Material:Öl; (?)
Bildträger:Holz (Pappel)
Maße: Höhe: 208 cm; Breite: 244 cm
Ikonografische Bezeichnung:Stehende Madonna mit Kind, Heiligen und Engeln
Iconclass:11F61(+3) – Madonna accompanied by saint(s) (+ angel(s))
Signatur Wortlaut:ohne
Datierung Wortlaut:ohne
Auftraggeber/Stifter:entsprechend einer testamentarischen Verfügung von Gherardo Barbadori (gest. 1429, Florentiner Bürger) 1437 von den Capitani von Orsanmichele für die Sakristei von S. Spirito bzw. eine Kapelle in der Sakristei in Auftrag gegeben
Provenienz:ursprünglich Altarbild der Barbadori-Kapelle bzw. der Sakristei in Santo Spirito in Florenz; Predellentafeln heute in den Uffizien, Florenz; Haupttafel bis 1810 in situ, bis 1813 in der Accademia delle Belle Arti, Florenz, 1814 von den napoleonischen Truppen entnommen und nach Paris gebracht
Zugänglichkeit zum Entstehungszeitpunkt:unbekannt

Zum Auftraggeber1 und zur Provenienz.2

Verweise

  1. Graul in Vasari 2011, 116 (Anm. 36). Graul weist darauf hin, dass nicht geklärt ist, ob die Kapelle mit der Sakristei identisch ist oder sich in dieser befand. Siehe auch Ruda 1993, 393.↩︎

  2. Genauere Angaben etwa bei Ruda 1993, 392.↩︎

Bildnis 1

Bildrechte
Lokalisierung im Objekt:zweite Figur von links
Ausführung Körper:Kopfbild
Ausführung Kopf:Dreiviertelporträt
Ikonografischer Kontext:am Rande einer Darstellung von Madonna mit Kind, Heiligen und Engeln
Blick/Mimik:leicht gesenkter, direkter Blick aus dem Bild; leicht geöffneter Mund
Gesten:Hände nicht sichtbar
Körperhaltung:vermutlich hinter einer Altarschranke kniend bzw. an diese gelehnt; Kopf etwas in den Nacken gelegt und leicht auf Altarschranke aufgelegt; Körper Richtung Bildmitte ausgerichtet, Kopf zum Betrachter gedreht
Interaktion/Raum-, Bildraumbeziehung/ Alleinstellungsmerkmal:stark überschnitten von der gewölbten Altarschranke; ebenfalls überschnitten von einem davor positionierten Kind (Putto?), das eine ähnliche Haltung einnimmt; sichtbar sind lediglich ein Teil des Kopfes und ein Teil eines hellen Mönchshabits mit Kapuze; Kopf vor der einzigen Fenster- oder Türöffnung im Bild (möglicherweise war aber ursprünglich im gesamten oberen Bereich offener Himmel sichtbar); diese gibt den Blick frei auf einen leicht bewölkten Himmel und eine schematisch dargestellte, gebirgige Landschaft; die Figur wirkt von einem dunklen Engelsflügel und einem skulpturalen Elemente der Schranke wie gerahmt
Kleidung:Mönchshabit
Sonstiges:Tonsur
Zugeordnete Bildprotagonisten:Figur in ähnlicher Haltung hinter der gegenüberliegenden Altarschranke; diese hat ihre Hand auf die Schranke gelegt und ist insgesamt noch stärker überschnitten (Engelsflügel) als das vermutete Selbstbildnis; sie wird von Ruda als Stifter vorgeschlagen; Marchini sieht in ihr einen Mönch und ein Porträt

Zu Identifizierungsvorschläge zu anderen Bildfiguren: zur Figur in Melancholiegestus im rechten Bildbereich als möglicher Stifter1 bzw. als Porträt eines Mönchs.2

Verweise

  1. Ruda 1993, 101. Der Autor schreibt, die Figur trage einen modischen Hut, vermutlich handelt es sich dabei aber vielmehr um den hinteren Flügel des vor der Figur stehenden Engels.↩︎

  2. Marchini 1975, 201.↩︎

Forschungsergebnis: Lippi, Fra Filippo

Künstler des Bildnisses:Lippi, Fra Filippo
Status:kontrovers diskutiert
Typ Autor/in Jahr Referenz Seite Anmerkungen
Erstzuschreibung Mengin 1932 Mengin 1932 – Le deux Lippi 11 -
Bejahend Oertel 1942 Oertel 1942 – Fra Filippo Lippi 20
Details
mit leichtem Vorbehalt
Bejahend Marchini 1975 Marchini 1975 – Filippo Lippi 10f, 201 -
Bejahend Ruda 1993 Ruda 1993 – Fra Filippo Lippi 101
Details
mit leichtem Vorbehalt
Skeptisch/verneinend Holmes 1999 Holmes 1999 – Fra Filippo Lippi 273 (Anm. 181) -
Bejahend Rossi 2012 Rossi 2012 – I pittori fiorentini del Quattrocento 163 -

Mengin (1932) beschreibt die Ausstrahlung der hier diskutierten Figur als ähnlich verträumt wie die des vor ihr positionierten Engels. Er geht davon aus, dass sich Fra Filippo hier selbst porträtiert hat und in seinem zum Betrachter gerichteten Blick die schüchtern vorgebrachte Frage liegt, ob dieser mit seinem Werk zufrieden sei.1

Oertel (1942)2 beschreibt die hier diskutierte Figur in der Pala Barbadori als „seltsam häßliches, verbautes Gesicht mit sinnlichen, aber auch schwermütigen Zügen.“ 3 Der Autor stellt die Frage, ob es sich dabei um ein Selbstbildnis Fra Filippos handeln könnte und meint, dass dies aufgrund der Ähnlichkeit zum Selbstbildnis in der Marienkrönung und der Porträtbüste am Grabmonument des Malers durchaus möglich ist.4

Marchini (1975) schreibt, in der hier diskutierten Figur sei fast sicher das Selbstbildnis Fra Filippos zu sehen. Der Maler habe sich mit auf der Hand ruhender Wange im Akt des Beobachtens dargestellt. Marchini hält auch die spiegelsymmetrisch positionierte Figur für einen Mönch und für ein Porträt, macht aber keine konkreten Identifizierungsvorschläge.5

Für Ruda (1993) besteht die Möglichkeit, dass sich Fra Filippo in der Mönchsfigur links hinten selbst dargestellt hat, in der Figur gegenüber könnte der Stifter porträtiert sein. Das gleiche Gesicht tauche etwas älter sowohl in der Marienkrönung als auch in den Fresken von Spoleto , dort jedoch als Stifterbildnis, auf.6

Holmes (1999) hebt zwar hervor, dass der Blick aus dem Bild und die Haltung des in die Hand gestützten Kinns, wie sie bei der hier diskutierten Figur zu beobachten sind, im frühen 16. Jahrhundert zu gängigen Merkmalen von Selbstbildnissen wurden, bleibt insgesamt aber skeptisch und stuft die vorgeschlagenen Selbstbildnisse des Malers in (Prato Begräbnis, erste Figur von rechts und (Spoleto Marientod als plausibler ein.7

Rossi (2012) zufolge handelt es sich bei der hier diskutierten Figur um eine der vielen „respektlosen“ Selbstbildnis-Einfügungen Fra Filippo Lippis.8

Verweise

  1. Mengin 1932, 11.↩︎

  2. Oertel 1942, 20.↩︎

  3. Ebd.↩︎

  4. Ebd.↩︎

  5. Marchini 1975, 10f, 201.↩︎

  6. Ruda 1993, 101.↩︎

  7. Holmes 1999, 273 (Anm. 181).↩︎

  8. Rossi 2012, 163. Rossi formuliert: „[...] dove Filippo inserisce, come farà poi molte altre volte, un proprio irriverente autoritratto sull’estrema sinistra del dipinto.“↩︎

Melancholisch ein wenig im Abseits

Versteckt hinter einer Altarschranke und dadurch vom sakralen Bereich klar getrennt wohnt ein melancholisch zum Betrachter blickender Mönch der Verehrung der Madonna durch Engel und Heilige bei. Seine Haltung mit dem aufgestützten Kopf wird von der kindlichen Figur vor ihm imitiert. Fra Filippo hat den Bildaufbau und die Positionierung der Figuren grob symmetrisch organisiert und entsprechend gibt es auch eine mit dem Mönch korrespondierende Figur auf der rechten Bildseite, von der allerdings nur ein so kleiner Ausschnitt sichtbar wird, dass sich keine Aussagen zu ihrer Identität machen lassen.

Die Position der Figur am Bildrand außerhalb des eigentlichen Bildgeschehens, der Blick zum Betrachter, die auch in anderen vermuteten Selbstbildnissen Fra Filippos verwendete Melancholiehaltung sowie die Mönchskleidung lassen es nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass der Maler hier tatsächlich ein Selbstbildnis hinterlassen hat. Eingerahmt von einem Engelsflügel und Architekturdetails befindet er sich vor dem einzigen Fenster (möglicherweise handelt es sich auch um eine Tür), das den Blick in eine angedeutete Landschaft freigibt. Somit befände sich der Maler an der Grenze zwischen realer und sakraler Welt, an der Anteil zu nehmen er den Betrachter mit seinem Blick auffordert.

Literatur

Holmes, Megan: Fra Filippo Lippi. The Carmelite Painter, New Haven, Connecticut 1999.
Marchini, Giuseppe: Filippo Lippi, Mailand 1975.
Mengin, Urbain: Le deux Lippi (Les Maitres de l'art), Paris 1932.
Oertel, Robert: Fra Filippo Lippi, Wien 1942.
Rossi, Sergio: I pittori fiorentini del Quattrocento e le loro botteghe. Da Lorenzo Monaco a Paolo Uccello, Todi 2012.
Ruda, Jeffrey: Fra Filippo Lippi. Life and Work with a Complete Catalogue, London 1993.
Vasari, Giorgio (1568): Das Leben des Florentiner Malers Fra Filippo Lippi. Vita di Fra' Filippo Lippi. Pittore Fiorentino (1568), in: Graul, Jana/Damm, Heiko (Hg.): Das Leben des Filippo Lippi, des Pesello und Pesellino, des Andrea del Castagno und Domenico Veneziano und des Fra Angelico (Edition Giorgio Vasari), Berlin 2011, 14–37, 105–135.

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